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Behandlungsprogramme

Im WTZ kommen die Experten zu den Patienten, das heißt, wir haben die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen so organisiert, dass alle beteiligten Experten in jeweils einem Behandlungsprogramm zusammenarbeiten. So sind für den Patienten kurze Wege und für die Experten eine optimale Kooperation gewährleistet.

Unsere Auswahlliste mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten zu Tumorarten und -regionen hilft Ihnen bei der Suche nach dem passenden Behandlungsprogramm. Bitte wählen Sie:

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DIE AYA-STATION: GANZHEITLICHE THERAPIE FÜR JUNGE KREBSPATIENTEN

Krebs ist immer eine niederschmetternde Diagnose. Doch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen kann sie eine besonders tiefgreifende Krise auslösen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Patienten an Knochen- oder bestimmten Weichteilsarkomen leiden, weiß Prof. Dr. Uta Dirksen, Leiterin des pädiatrischen Sarkomschwerpunkts am WTZ Essen und stellvertretende Direktorin der Kinderklinik III. „Diese seltenen Tumore betreffen insbesondere junge Menschen und verändern das Leben nachhaltig“, so ihre Einschätzung.

Je nach Fortschritt der Erkrankung zum Zeitpunkt der Erstdiagnose sind die Heilungschancen oft nur gering. Und selbst bei guter Prognose bleiben die jungen Menschen oft ihr Leben lang gezeichnet, sei es, weil sie unübersehbare Narben haben, sei es, weil sie mit künstlichen Gelenken leben müssen. Vor allem junge Männer laufen überdies Gefahr, unfruchtbar zu werden.

Und es gibt noch einen weiteren Aspekt: Die Therapie dauert rund ein Jahr und macht damit die Lebens- und Karrierepläne zunichte. Nach einer derart langen Unterbrechung lassen sich Ausbildungs- und Studiengänge oft nicht umstandslos fortsetzen. „Ich habe es auch schon erlebt, dass die jungen Menschen den Anschluss an den Arbeitsmarkt nicht mehr gefunden haben und früh verrentet werden mussten“, beschreibt Prof. Dr. Dirksen die Auswirkungen der Krankheit.

Alle diese Aspekte sind der Grund, weshalb das WTZ Essen jungen Sarkompatienten ab 2020 eine eigene Station bieten wird – die sogenannte AYA-Station (AYA steht für Adolescents and Young Adults). Auf der AYA-Station werden sechs bis acht Betten für die stationäre Chemotherapie zur Verfügung stehen, die die Patienten vor und nach der OP absolvieren müssen. Dazu kommen sie mehrere Monate lang im Abstand von zwei bis drei Wochen jeweils für einige Tage in die Klinik.

Im Interesse einer ganzheitlichen Therapie gibt es in der die AYA-Station neben der medizinischen Behandlung im WTZ-Behandlungsprogramm „Knochen- und Weichteilstumore (Sarkome)“ eine Reihe von begleitenden Angeboten, die speziell auf die Bedürfnisse der jungen Zielgruppe ausgerichtet sind. „Diese Angebote sollen ihnen helfen, Strategien zu entwickeln, mit denen sie die Krise meistern können“, beschreibt Prof. Dr. Dirksen das Ziel. Der Austausch mit Gleichaltrigen in einer vergleichbaren Situation kann ihrer Ansicht nach ebenfalls die individuellen Bewältigungsstrategien unterstützen. „Wir hoffen außerdem, dass die Angebote die Adhärenz der Patienten fördern“, so die Medizinerin weiter. Denn die Einhaltung der von Arzt und Patient gesetzten Therapieziele hat oberste Priorität.

Die Ausstattung der Station wurde in einem Co-Creation Workshop zusammen mit Betroffenen entwickelt. Sie wird somit den Bedürfnissen der Altersgruppe gerecht: Flatscreens und kostenloses Internet in allen Zimmern erlauben es ihnen, mit ihren Freunden zu skypen, Virtual-Reality-Programme zum Entspannen und ein Aufenthaltsraum mit Sofas zum Relaxen bieten eine Umgebung, die dem Lebensstil der jungen Menschen eher entspricht als der traditionelle Klinikalltag. Hinzu kommen individuelle Angebote wie Gesprächstherapie, Sport, beispielsweise Krafttraining, Physiotherapie, aber auch Bodypainting. „Wir wollen das Körpergefühl der jungen Menschen stärken“, erläutert die Onkologin. „Das ist durch die Erkrankung stark erschüttert worden.“

So ungewöhnlich Ausstattung und Angebote der Station sein werden, so ungewöhnlich ist auch deren Finanzierung: Hier setzt sich die Stiftung Universitätsmedizin Essen dafür ein, Projekte, die über den medizinischen Versorgungsbedarf hinausgehen, zu ermöglichen. Sie hat 2019 bereits begonnen, um Spenden zu bitten. „Innerhalb von wenigen Monaten haben unsere Unterstützer bereits eine Summe im sechsstelligen Bereich gespendet“, berichtet Prof. Dr. Karl-Heinz Jöckel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Universitätsmedizin. „Für dieses Engagement sind wir sehr dankbar.“ Der Betrag sichert nicht nur die außergewöhnliche Ausstattung der Station inklusive Aufenthaltsraum. Mit ihm lassen sich auch die laufenden Kosten für besondere Therapieangebote im Jahr 2020 bestreiten. Klar ist: Bei ihrer Arbeit wird die AYA-Station auch künftig auf die Stiftung angewiesen sein. „Wir hoffen sehr, dass die Spender uns weiter unterstützen“, betont Prof. Dr. Dirksen. In Großbritannien, Frankreich und den USA sind die AYA-Stationen bereits weit verbreitet, in Deutschland dagegen noch Neuland. Außer in Halle gibt es hierzulande keine vergleichbaren Angebote. Ärzte und Pflegepersonal des WTZ Essen müssen sich entsprechend weiterbilden. „Dazu haben wir bereits Kontakt mit dem University College of London aufgenommen“, berichtet Prof. Dr. Dirksen. „Wir hoffen, dass wir Mitarbeiter aus der Pflege zu einem Lernaufenthalt nach London entsenden können.“