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Behandlungsprogramme

Im WTZ kommen die Experten zu den Patienten, das heißt, wir haben die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen so organisiert, dass alle beteiligten Experten in jeweils einem Behandlungsprogramm zusammenarbeiten. So sind für den Patienten kurze Wege und für die Experten eine optimale Kooperation gewährleistet.

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Über uns

ROBOTER-ASSISTIERTE OPERATIONEN

Die „Robotic Surgery“ begann in den 1980er Jahren als Projekt des kalifornischen Forschungsinstitutes SRI International. Es mündete in die Gründung der Firma Intuitive Surgical Inc., die das Da Vinci-Operationssystem entwickelte. SRI International ging 1997 an die Börse und fusionierte später mit seinem Wettbewerber Computer Motion Inc. Seit 2010 wird die roboterassistierte Chirurgie auch am WTZ Essen eingesetzt.

Der Da Vinci ist kein Roboter, der den Operateur ersetzt, sondern ein Telemanipulator, der mit seinen vier Armen die vom Chirurgen vorgegebenen Bewegungen mit maximaler Präzision im Körper umsetzt. Das System ermöglicht minimalinvasive Eingriffe, die ein Operateur von einer Steuerkonsole aus lenkt. Ein weiterer Operateur kann von einer zweiten Konsole aus zugeschaltet werden. Es verfügt über 3D-Darstellung, autonome Kamera- und Instrumentensteuerung, Instrumentenbeweglichkeit in sieben Freiheitsgraden, Infrarotlaser mit Detektionssystem sowie Anschlüsse für Bild- und Datenübertragung. Es eröffnet der Chirurgie eine digitale Dimension, die neue Möglichkeiten für die Präzisionschirurgie, aber auch für die Telemedizin und anderes mehr erschließt.

Derzeit wird das Monopol von Intuitive Surgical Inc. durch die Markteinführung neuer Robotersysteme von Medtronic, Cambridge Medical Robotics, Titan Medical, Verb Surgical, Transenterix sowie anderen Unternehmen abgelöst. Der Wettbewerb wird die Vielfalt der Möglichkeiten erhöhen, die Weiterentwicklung der Systeme beschleunigen und die Preise fallen lassen. Diese Entwicklungen werden zur raschen Verbreitung der Robotik in allen operativen Zentren von Bedeutung führen und bereits in wenigen Jahren den Standard für eine Vielzahl von Eingriffen darstellen.

Die meisten roboterassistierten Operationen weltweit wurden bisher in der Gynäkologie durchgeführt; in den letzten Jahren hat die Chirurgie die Gynäkologie und Urologie überholt.

Die Universitäts-Frauenklinik (UFK) Essen unter ihrem Leiter Prof. Dr. Rainer Kimmig ist Vorreiterin der roboterassistierten Chirurgie in Deutschland. Hier wurden die meisten roboterassistierten Eingriffe in der Gynäkologie im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Aus der UFK ist zudem eine hohe zweistellige Zahl an wissenschaftlichen Arbeiten, Buchbeiträgen und Vorträgen hervorgegangen. Prof. Dr. Kimmig amtiert derzeit zugleich als Präsident der Europäischen Gesellschaft für Roboterchirurgie in der Gynäkologie (SERGS).

Die Gynäkologische Onkologie am WTZ geht im WTZ-Behandlungsprogramm „Gynäkologische Tumoren“ mit der roboterassistierten kompartmentalen Entfernung von Lymphknoten völlig neue Wege. Als Kompartment wird das Gewebe bezeichnet, das entwicklungsgeschichtlich zum jeweiligen Organsystem gehört. Moderne Operationsmethoden haben das Ziel, dieses gefährdete Gewebe vollständig zu entfernen, umliegende Strukturen jedoch zu schonen.

Das Verfahren stellt in therapeutischer etabliert. Zunehmend wird das Verfahren auch in frühen Stadien von Eierstockkrebs eingesetzt. Es bietet sich ebenfalls im Zusammenhang mit der Abklärung sowie der operativen Therapie von Rezidiven an. Zweifelsfrei führt die minimalinvasive Chirurgie zu geringerer Morbidität und Mortalität als die offene Chirurgie; so gesehen müsste die offene Chirurgie der Vergangenheit angehören.

Für eine Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut ist in Studien belegt, dass die minimalinvasive Chirurgie keine erhöhte Rückfallrate aufweist. In einer aktuellen dänischen populationsbasierten Studie lässt sich sogar eine deutlich bessere Gesamtüberlebensrate („Overall Survival“) für die minimalinvasiv therapierten Patientinnen erkennen. Sie ist am deutlichsten in der Gruppe, die mit einem roboterassistierten Verfahren operiert wurde.

Beim Gebärmutterhalskrebs galt bisher, dass die minimalinvasive der offenen Chirurgie gleichwertig sei. In Frage gestellt wird dies durch die bisher einzige vorliegende prospektiv-randomisierte Studie (die sogenannte LACC-Studie). Eine prospektivrandomisierte Studie überprüft eine vorher aufgestellte Hypothese; die Teilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip verschiedenenGruppen zugeordnet. Der LACC-Studie zufolge erreicht die offene Chirurgie beim frühen Gebärmutterhalskrebs eine um bis zu fünf Prozent bessere Überlebensrate als die minimalinvasive Methode. Inzwischen gibt es mehrere Publikationen, die anhand früher erhobener Daten nationaler Patientenkohorten zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Hingegen zeigen zwei große populationsbasierte Studien aus Schweden  und Dänemark keinen Nachteil der minimalinvasiven Chirurgie. Neue prospektiv-randomisierte Studien sollen die Situation klären. Hinsicht sowohl zur rein diagnostischen Entfernung von sogenannten Wächter-Lymphknoten als auch zur systematischen kompletten Entfernung von Lymphknoten im Becken und in der Umgebung der Hauptschlagader eine Alternative dar. Prof. Dr. Kimmig hat diese Technik in internationalen Zeitschriften für die Behandlung von Krebs der Gebärmutterschleimhaut sowie – im frühen Stadium – der Eierstöcke als Alternative mit deutlich geringerer Morbidität vorgeschlagen. „Robotic Surgery“ ermöglicht es, auch dann minimalinvasiv zu therapieren, wenn erschwerte Bedingungen vorliegen: zum Beispiel der Komplexität des Eingriffs, wegen eines hohen Body Mass Index oder hoher Komorbiditäten der Patientin. Minimalinvasive Chirurgie hat sich in der Therapie von Gebärmutterkrebs bereits

Die klinische Anwendung, Erforschung und Weiterentwicklung endoskopischer Robotersysteme zählen zu den wichtigsten Aufgaben in der modernen Kopf-Hals-Chirurgie. Die von Prof. Dr. Stephan Lang geleitete Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO) an der Universitätsmedizin Essen gehört zu den weltweit führenden Institutionen auf diesem Gebiet. Sie hat in eigenen Untersuchungen und im Rahmen einer europäischen Multicenterstudie die Sicherheit und die Effektivität dieser Technologie zeigen können. Das Robotikprogramm an der HNO leitet Prof. Dr. Stefan Mattheis, Stellvertretender Klinikdirektor, der von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen einen Ruf auf eine W2-Professur für Robotik erhalten hat.

Das neu entstehende innovative Operationszentrum („Innovations-OP“) der HNOKlinik der UME wird die fortschrittlichsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Medizintechnik nutzen. „Darüber hinaus“, so Prof. Dr. Stefan Mattheis, „integrieren wir auch Robotik, Big Data, Machine Learning und Künstliche Intelligenz.“ Die Klinik kooperiert auf nationaler Ebene mit Partnern wie beispielsweise Prof. Dr. Ing. Andrés Kecskeméthy, Lehrstuhlinhaber für Mechanik und Robotik an der Universität Duisburg-Essen, aber auch international zum Beispiel mit dem University of Pittsburgh Cancer Institute.

Die Klinik für Thoraxchirurgie an der Ruhrlandklinik der Universitätsmedizin Essen nutzt das Da Vinci-Operationssystem bereits seit 2014. „Die roboterassistierte Chirurgie ist die neueste Ergänzung der minimalinvasiven Verfahren“, erläutert Klinikdirektor Prof. Dr. Clemens Aigner. „Ihre Vorteile liegen unter anderem in der hochauflösenden 3D-Darstellung mit sechsfacher optischer Vergrößerung sowie in der Bewegungsfreiheit der Instrumente.“

Bei der Behandlung von Thymus-Tumoren im Frühstadium ist die roboterassistierte Chirurgie bereits Standard. Weitere Hauptindikationen, bei denen sie sich anwenden lässt, sind Tumoren im Bereich des Mittelfells, in der Behandlung der Myasthenia gravis, bei anatomischen Lungenresektionen, bei Zwerchfelleingriffen, bei Eingriffen an der Speiseröhre sowie bei lokalisierten Tumoren im Bereich des Rippenfells.

Die Experten des von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Lungenkrebszentrums (LWTZ) an der Ruhrlandklinik arbeiten im WTZ-Behandlungsprogramm „Lungen- und Thoraxtumoren“ multidisziplinär mit Spezialisten der Inneren Klinik (Tumorforschung), der Klinik für Pneumologie, der Klinik für Strahlentherapie, den Instituten für Pathologie und dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie zusammen. Ziel ist es, innovative Diagnostik und Therapie von Brustkorb-Tumoren auf höchstem Qualitätsniveau sicherzustellen.

Dazu zählt auch, so Prof. Dr. Aigner, dass „in Zukunft robotische Systeme die ideale Plattform zur Anwendung technologischer Erweiterungen bieten werden – beispielsweise der Biolumineszenz oder der Augmented Reality.

In der Uroonkologie (WTZ-Behandlungsprogramm „Tumoren der Harn- und Geschlechtsorgane“) haben sich roboterassistierte OP-Verfahren für lokal begrenzte Prostata- und Nierentumoren als Standardoption etabliert. Die Vorteile robotischer Operationen liegen im geringeren Blutverlust und in der schnelleren Rückkehr der Patienten in den Alltag. Bei dem in Essen verwendeten System Da Vinci Xi sehen zwei Operateure ein dreidimensionales Bild des Operationsfeldes. Dieses Bild kann variabel vergrößert werden, und zusätzlich können Live-Ultraschallbilder direkt in das Blickfeld integriert werden, um Tumorresektionen unter höchstmöglicher Schonung gesunden Gewebes zu erlauben. Darüber hinaus kann der Einsatz von Fluoreszenzfarbstoffen insbesondere bei Nierenteilresektionen sinnvoll sein, um die Durchblutung der Niere darzustellen.

In der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Essen lassen sich mit dem modernen Da Vinci-Xi-System viele komplizierte Operationen, wie die Mastdarmoperation (unter Erhaltung des Schließmuskels), Leberoperationen, Eingriffe am Magen oder der Speiseröhre sowie auch Lebendspendeoperationen (Leber/Niere) über wenige kleine Schnitte sicher, schonend und hoch präzise durchführen.

Der Chirurg hat neben einem hochauflösenden, dreidimensionalen Kamerabild eine bis zu zehnfache Vergrößerung zur Verfügung. Hiermit lassen sich insbesondere Gefäße, Nerven und umliegende Strukturen mit höchster Genauigkeit darstellen. Für den Patienten führen minimalinvasive Operationen erwiesenermaßen zu weniger Schmerz und schnellerer Genesung.

Die Klinik ist Teil des Westdeutschen Tumorzentrums (WTZ), in dem unter anderem Patienten mit Tumorerkrankungen der Speiseröhre, des Magens, des Darms, der Leber, der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse behandelt werden. Im WTZ-Behandlungsprogramm „Magen-Darm- Tumoren“ kooperieren Spezialisten der Fachgebiete Innere Klinik/Onkologie, Gastroenterologie, Viszeralchirurgie, Strahlentherapie und Pathologie sowie Radiologie und Nuklearmedizin.

WTZ treibt die Entwicklung innovativer Verfahren voran

Schwere Eingriffe mit kleinsten Schnitten: Das charakterisiert roboterassistierte Operationsverfahren. Die minimal-invasive Chirurgie mit dem Da Vinci-Operationssystem hat für den Patienten deutliche Vorteile: weniger Schmerzen, weniger Blutverlust, kürzerer Krankenhausaufenthalt, schnellere Rückkehr in den Alltag – und dies bei gleichwertigen oder sogar potenziell besseren klinischen Ergebnissen als bei anderen Operationszugängen. Als erste Abteilung hat die Frauenklinik am Universitätsklinikum Essen 2010 begonnen, routinemäßig mit dem Da Vinci-System zu operieren. 2014 wurde ein weiteres System an der Thoraxchirurgie der Ruhrlandklinik, dem Westdeutschen Lungenzentrum der Universitätsmedizin Essen, in Betrieb genommen.

In Forschungsprojekten unter Beteiligung weiterer medizinischer Spitzenzentren treiben die onkologisch-chirurgisch arbeitenden Kliniken am Westdeutschen Tumorzentrum Essen die Fortentwicklung der roboterassistierten Chirurgie voran. Kooperationspartner sind dabei unter anderem weitere Standorte des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK).

Das Zusammenspiel von moderner Bildgebung, molekulargenetischen Untersuchungen, herausragender Pathologie und vielem mehr schafft die Voraussetzungen dafür, Präzisionschirurgie an Gehirn, Kopf oder Hals, im Thorax, Abdomen oder Unterleib durchführen zu können. Die Patienten profitieren davon, dass sämtliche Spezialisten direkt vor Ort sind und in multidisziplinär vernetzten Behandlungsprogrammen des WTZ kooperieren.


Forschung im Verbund: vier Beispiele

Auf den folgenden Seiten stellen wir vier Forschungsbereiche vor, in denen Experten des WTZ Essen intensiv an der Weiterentwicklung der roboterassistierten Präzisionschirurgie arbeiten:

  • Urologie und Nuklearmedizin sind beteiligt an einem Projekt, das die intraoperative Bildgebung mit PSMA-Tracern untersucht.
  • Tissue-Targeting in der roboterassistierten Präzisionschirurgie und die ontogenetische Krebsfeldchirurgie stehen im Mittelpunkt von Forschung und Klinik in der gynäkologischen Onkologie.
  • Die hochtechnisierte Ausstattung der Klinik für Neurochirurgie wird demnächst, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), um ein robotisches Röntgengerät ergänzt. Es dient der Bildgebung während laufender Operationen.
  • Innovative Verfahren bei der chirurgischen Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren entwickelt die HNO-Klinik am Westdeutschen Tumorzentrum Essen.

DKTK-/DFG-Projekt Urologie/Nuklearmedizin

Ziel unserer gemeinsamen Forschungsvorhaben mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) sowie mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist es, die Machbarkeit und Genauigkeit neuartiger Bildgebung in der Prostatakrebschirurgie zu evaluieren.

Das Verfahren der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit Liganden gegen das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) ist seit kurzem in der Routine etabliert. Es dient dazu, bei Männern mit Prostatakrebs Metastasen sowohl im primären Staging als auch zum Zeitpunkt eines Rezidivs nachzuweisen.

Die radikale Prostatektomie erfolgt mit dem Ziel, den Tumor vollständig zu entfernen und dabei Kontinenz und Potenz bestmöglich zu schonen. Eine intraoperative Radioguidance kann es erleichtern, positive Schnittränder und Lymphknotenmetastasen zu erkennen, sodass die chirurgische Präzision erhöht und das onkologische Ergebnis verbessert wird.

In den gemeinsamen Forschungsvorhaben geht es darum, die intraoperative molekulare Bildgebung mit PSMA-Tracern am Patienten zu untersuchen. Dazu werden In-vitro-Studien mit 3D-gedruckten Prostatamodellen durchgeführt und – im Rahmen klinischer Studien – bildgebende und pathologische Daten integriert.

Ontogenetische Krebsfeldchirurgie

Das Team der Universitätsfrauenklinik Essen (UFK) um Klinikdirektor Prof. Dr. Rainer Kimmig operiert im WTZ-Behandlungsprogramm „Gynäkologische Tumoren“ Krebserkrankungen auf Basis neuester Erkenntnisse über die Tumorausbreitung. Diesem als ontogenetische Krebsfeldchirurgie bezeichneten Verfahren liegen langjährige Studien der Universitätsklinik Leipzig zugrunde. Sie haben gezeigt, dass bösartige Tumoren des Gebärmutterhalses, der Scheide und der Vulva (äußere primäre Geschlechtsorgane der Frau) sich nicht wie zuvor angenommen unvorhersagbar in angrenzenden Geweben ausbreiten. Stattdessen infiltrieren sie anatomisch genau festgelegte Gewebegebiete. Diese Krebsfelder leiten sich aus der Embryonalentwicklung – der sogenannten Ontogenese – des Gewebes ab, in dem der Tumor entstanden ist.

Die Bestimmung des ontogenetisch vorprogrammierten Ausbreitungsgebietes ermöglicht es den Ärzten, den bösartigen Tumor und seine Tochtergeschwülste in den Lymphknoten vollständig zu entfernen. „Die Anwendung der Krebsfeldchirurgie ohne unterstützende Strahlentherapie verbessert das Fünf-Jahres-Überleben beim Gebärmutterhals- und Vulvakarzinom gegenüber der konventionellen Therapie mit unterstützender Strahlentherapie um 10 bis 30 Prozent und halbiert gleichzeitig die behandlungsbedingte Sterblichkeit“, erläutert Prof. Dr. Kimmig.


„An der UFK/WTZ Essen etablieren wir jetzt ein Zentrum für Krebsfeldchirurgie in der gynäkologischen Onkologie – ein Joint Venture mit Prof. Michael Höckel, dem Direktor der Leipzig School of Radical Pelvic Surgery“, so Prof. Dr. Kimmig weiter. Der Aufbau des Zentrums wird Ende 2020 vollständig abgeschlossen sein, ist aber bereits 2019 weit vorangeschritten:

  • Die erforderlichen Apparate und Instrumente wurden beschafft beziehungsweise installiert, um die grundlegenden Voraussetzungen dafür zu schaffen, Krebsfeldoperationen für die Behandlung von Karzinomen des unteren weiblichen Genitaltraktes durchführen zu können.
  • Die prospektive klinische Studie zur Behandlung des Vulvakarzinoms durch Vulvafeldresektion und therapeutische operative Entfernung von Lymphknoten wurde der Ethikkommission des Universitätsklinikums Essen vorgestellt und ihr Votum dazu wurde eingeholt.
  • Die Konzeption der Datenerhebung und -verarbeitung zum klinischen Management des Vulvakarzinoms unter Studienbedingungen wurde erstellt.
  • Die ärztlichen Mitarbeiter der UFK Essen wurden in die theoretischen Grundlagen (ontogenetische Krebsfeldtheorie) und in die ontogenetische Anatomie der Vulva eingewiesen. Zudem lernten sie die operativen Techniken der Vulvafeldresektion, der anatomischen Rekonstruktion und der therapeutischen Lymphonodektomie kennen.
  • Eine Ambulanz zur Vorstellung und Nachsorge von Vulvakarzinompatientinnen ist entstanden.
  • Der Internetauftritt der UFK Essen wurde mit Informationen über die Grundlagen der Krebsfeldchirurgie und die Anwendung dieser Verfahren für die Therapie des Vulvakarzinoms ausgebaut.

Im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Projekt der Universitätskliniken Essen und Leipzig werden auch die kompartmentbasierten Operationen des Gebärmutterschleimhaut- und Gebärmutterhalskarzinoms weiterentwickelt, die Prof. Dr. Kimmig bereits vor Jahren eingeführt hat.


Präzisionschirurgie am Gehirn

Hirntumorpatienten stehen im Rahmen des WTZ-Behandlungsprogramms „Neuroonkologie“ neueste medikamentöse Therapien, modernste Technik in der Strahlentherapie und computerassistierte Präzisionschirurgie zur Verfügung.

An der Klinik für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie, geleitet von Prof. Dr. Ulrich Sure, zählt die rechnergestützte Neuronavigation zur hochtechnisierten Ausstattung der vier OP-Säle. Der Computer gleicht die Bilder einer Stereo-Infrarotkamera während der Operation mit vorher aufgenommenen 3D-MRT-Bildern ab. „Die Positionsberechnung erfolgt durch Triangulation, ähnlich wie beim Navi im Auto“, erläutert der stellvertretende Klinikdirektor PD Dr. Karsten Wrede, „allerdings auf den Bruchteil eines Millimeters genau."

Für die Bildgebung während der laufenden Operation erhält die Neurochirurgie künftig ein robotisches Röntgengerät, zusätzlich zum bereits vorhandenen Ultraschallgerät. „Der Computer ermöglicht es, dass das Gerät vorprogrammierte Positionen automatisch ansteuern kann. Das dient dazu, in unterschiedlichen Phasen der Operation erneut Bilder aus der exakt gleichen Perspektive zu erstellen“, erklärt PD Dr. Wrede. So werden beispielsweise Veränderungen der Anatomie des Gehirns sichtbar, die durch die Entnahme von Gewebe entstehen (der sogenannte Brain Shift).

Präzisionschirurgie und Funktionserhalt im Kopf-Hals-Bereich

Präzisionschirurgie in der HNO – dazu gehört ganz wesentlich die individuell und optimal auf den Patienten abgestimmte chirurgische Krebstherapie im Rahmen des WTZ-Behandlungsprogramms „Kopf-Hals-Tumoren“. Innovative Verfahren wie zum Beispiel die roboterassistierte Chirurgie, die minimalinvasive Behandlung oder neueste Lasersysteme ermöglichen es, Patienten schonend und funktionserhaltend zu operieren.

Prof. Dr. Stephan Lang, Direktor der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, leitet zugleich das Zentrum für Hals-Kopf-Tumoren am WTZ – seit 2014 ein zertifiziertes Zentrum der Deutschen Krebsgesellschaft. Als Bestandteil des Comprehensive Cancer Center (CCC) hat es sich die innovative Diagnostik und Therapie von HNO-Tumoren auf höchstem Qualitätsniveau zum Ziel gesetzt.

Bei der chirurgischen Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren spielt die Transorale Roboterassistierte Chirurgie (TORS) eine immer größere Rolle. Die HNO-Klinik der UME ist weltweit führend in der flexiblen transoralen Roboterchirurgie mit dem Flex Robotic System. In Kombination mit flexiblen Instrumenten ermöglicht dieses Endoskopiesystem in vielen Fällen eine minimalinvasive laserchirurgische Entfernung von Rachen- und Kehlkopftumoren unter Erhalt der komplexen Funktionen wie Schlucken und Sprechen.